Von Chicago nach Los Angeles


 

Einige große Wohmobilvermieter lassen ihre Wohnmobile für die neue Saison bei Chicago bauen. Diese werden überwiegend Richtung Südwesten, Florida oder Kanada gebracht. Der Transport geschieht jedoch nicht auf Anhänger, sondern die Wohnmobile werden vermietet - sog. Überführungsfahrten.

 

Die Vorteile sind klar. Man bekommt ein gerade gebautes Wohnmobil zu einem sehr sehr günstigen Preis. Sogar die erste Nacht in einem Hotel ist enthalten, das Wohnmobil ist komplett eingerichtet und eine Vollkaskoversicherung ohne Selbstbehalt gibt es dazu.

 

Die Überführungen finden natürlich in der Vorsaison statt und man weiß nie, welche Größe man bekommt (hoffentlich nicht zu groß).

 

Abflug von Frankfurt ist am 03.03.2018. Wir haben dann 3 Wochen Zeit, um ein Wohnmobil von Chicago nach Los Angeles zu bringen. Unsere geplante Route haben wir unten eingezeichnet.

 

Vor der Übernahme bleiben wir noch 3 Nächte in Chicago. Die Stadt soll sehr schön sein, wir lassen uns überraschen.

 

So könnte die Reiseroute aussehen (zum Vergrößern bitte Karte anklicken)

Die Koffer sind gepackt und in wenigen Stunden geht es los. Nach 3 Nächten in Chicago werden wir wohl erst einmal 3 Tage auf den Highways verbringen, um in das hoffentlich mildere Klima von Texas zu kommen.

 

Leider waren die Reiseführer im Bezug auf touristische Attraktionen nicht sehr ergiebig. Im Vergleich zu der letzten wunderschönen Tour von Vancouver nach Las Vegas liegen kaum Nationalparks o. ä. auf der Strecke. Naja, irgendwas wird uns schon über den Weg laufen.

03.03.18 - 05.03.18

Nach unserer Hotelübernachtung in Frankfurt fuhren wir mit dem Shuttlebus zum Flughafen. Personal wird auch bei der Lufthansa immer seltener. Bordingkarte besorgen und das Gepäck abgeben funktioniert inzwischen im Do-it-yourself-Verfahren.
Bald wird man auch selber fliegen müssen.

 

Die Boing 747 war komplett ausgebucht und pünktlich flogen wir ab. Die 8 1/2 Stunden vergingen nicht unbedingt wir im Fluge, irgendwann war es aber geschafft und wir landeten in Chicago, mit knapp 3 Millionen Einwohner die drittgrößte Stadt der USA.

Auch dort mussten wir an einem der unzähligen Terminals unsere Einreise selber vornehmen, inkl. Fingerabdrücke und Bild. Ein Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde blickte dann nur noch kurz auf unseren Reisepass und schon waren wir in den USA.

 

Die 45 minütige Fahrt mit der Metro vom Flughafen kostete p.P. nur 5 US$ und wir erreichten pünktlich unser Hotel in der Innenstadt in bester Lage.

Der Himmel war strahlend blau und so machten wir uns gleich auf die erste Tour durch Downtown Chicago. Die Skyline mit den vielen Wolkenkratzern ist beeindruckend, der höchste erreicht 527 Meter.

Die gewaltigen Häuser sind vom Baustil sehr unterschiedlich und auch von innen müssen sie sehr prunkvoll sein. Leider ist der Zutritt nicht möglich und so blieb uns nur der Blick von außen.

Mitten in der Innenstadt liegt die grüne Oase Chicagos, der Millennium Park und der Grant Park. Hier gibt es im Sommer viele Musikfestivals, 2 Schlittschuhbahnen, große Spielplätze und vieles mehr. In beiden Parks machten wir einen langen Spaziergang und genossen das schöne Wetter.

Die Skulptur "Cloud Gate", eine 110 Tonnen schwere, rostfreie Stahlkonstruktion reflektiert die Skyline Chicagos und ist immer von vielen Menschen belagert.

Am nächsten Tag machten wir uns schon früh auf zur nächsten Runde. Der Himmel war wieder strahlend blau, aber leider kommt der Name "Windy City" nicht von ungefähr. Über den Michigansee kommt der Wind mit Schwung in die Stadt und fegt durch die Häuserschluchten, nicht immer ein angenehmes Gefühl bei 3 Grad.

 

Es war Sonntag und an der Promenade des Michigansee war viel los. Der See knapp 500 km lang, 190 km breit und bis zu 281 tief. Die gesamte Uferlänge beträgt 2633 km.

Die Stadt gefiel uns sehr und gegen 17:00 Uhr waren wir doch etwas erschlagen von den Eindrücken und der Lauferei. Die Sonne ging unter und ein eiskalter Wind pfiff uns um die Ohren. Hier noch ein paar Eindrücke von dem Tag.

Der Riverwalk ist ein wunderschön angelegter Weg direkt am Chicago River entlang. Auf beiden Seiten sieht man die interessanten Wolkenkratzer und bekommt vom Straßenverkehr kaum etwas mit.

Chicago hat noch viele bekannte Museen zu bieten. Unsere Zeit ist jedoch etwas knapp dafür bemessen und die Stippvisite endet langsam. Wir hatten sehr viel Glück mit dem Wetter, für die nächsten Tage ist Schnee vorhergesagt und die Temperaturen gehen wieder in den Keller.

 

Hier noch die letzten Eindrücke einer schönen Stadt.

Hier noch ein 360 Grad-Panorama aus Chicago. Bewegen kann man sich mit der Maus oder den Cursor-Tasten. Fullstcreen ist auch möglich (solle es nicht funktionieren, dann bitte den Cache löschen).

Für den Transfer zum Wohnmobilvermieter wird man von einem Hotel in der Nähe des Flughafens abgeholt. Die Nacht ist inklusive und so mußten wir noch einmal umziehen. Mit der Metro und den Bus erreichten wir das Hotel und nach einer kurzen Pause besorgten wir uns im Supermarkt nebenan etwas zum Essen. Zu unserer Überraschung war es ein Aldi, den es in den USA schon 1600 mal gibt, 900 neue Filialen sind geplant.

Der Transfer zum Vermieter ist für den nächsten Tag 6:15 Uhr geplant und die Fahrt dauert knapp 3 Stunden. Wir sind schon sehr gespannt, was für ein Wohnmobil wir bekommen.

06.03.18 - 10.03.18

Heute übernehmen wir das Wohnmobil. Pünklich um 5:40 Uhr stehen wir auf (ist ja kein Urlaub) und wundern uns über den Schnee, denn es hat geschneit. Im Hotel gibt es sogar ein Frühstück, typisch amerikanisch: Pappteller, Pappbecher, Papptoastbrot, Spiegeleier (nicht aus Pappe, eher Styropor mit einem gelben Fleck) und diverse Sorten von Muffins. Die Amis schlagen zu, als wenn es kein Morgen gibt, unter 4 Muffins geht gar nichts.

Ein großer Reisebus steht vor der Tür und wir steigen ein. Deutsche sind kaum dabei, dafür viele Holländer. Die Fahrt dauert knapp 2,5 Stunden und wir erreichen den KOA-Campingplatz, wo die Übergabe stattfindet. Wir sind für 12:45 Uhr eingeplant, kommen aber früher an die Reihe. Der Papierkram ist schnell erledigt und dann gibt es eine kurze Einweisung.

Unser Wohnmobil ist 28 Fuß lang, das sind ungefähr 8,5 Meter. Die max. mögliche Länge, die man hier bekommen kann, beträgt 34 Fuß (knapp 10,2 Meter). Die Breite und die Höhe sind ganz beeindruckend, wir sind schon gespannt auf den Benzinverbrauch.

 

Die meisten der Mitstreiter fahren gleich los, obwohl es schon spät ist und viele ohne vorherige Übernachtung ziemlich übermüdet wirken. Wir kaufen beim Walmart ein und bleiben für die Nacht auf dem Platz, um unsere Sachen und die gekauften Lebensmittel zu verstauen. Die Schränke sind so hoch angebracht, das Gisela nur staunend nach oben blickt.

Am nächsten Morgen schneit es wieder und die Straßen sind spiegelglatt. Bevor es schlimmer wird, fahren wir los, immer Richtung Süden. Wir dürfen bis Los Angeles 3500 Meilen verfahren, Extrameilen kosten.

Alle Wohnmobile in den USA haben Automatik und man hört förmlich das Benzin durch die Leitungen strömen. Nach 1 Stunde hört der Schnee auf und wir befinden uns auf dem Highway. Unser heutiges Ziel ist St. Louis.

Von St. Louis hätten wir gerne Bilder gezeigt, aber mit diesem Ungetüm einen Parkplatz in der Innenstadt zu finden, ist unmöglich. Etwas außerhalb hätten wir für lächerliche 25 US$ ein paar Stunden stehen können, also hieß es Goodby St. Louis ohne Bilder.

 

In dem kleinen Ort Casey machten wir einen Spaziergang und hier sind ein paar Bilder.

In Oklahoma übernachteten wir auf einem Casinoparkplatz, von denen man überraschend viele findet und die häufig von Indianerstämmen betrieben werden. Überfielen die Indianer früher die armen Siedler, so holen sie sich heute das Geld von den armen Bewohnern.  Dieses Casino wird von den Quapaw betrieben und sie verdienen richtig viel Geld damit.

 

Einige Meilen weiter gab es ein paar Totempfähle zu sehen, hier die Bilder.

Wir fuhren durch die Bundesstaaten Indiana, Illinois, Oklahoma und landeten nach 1200 Meilen und 33 Grad Temperaturunterschied  schließlich in Texas. In Oklahoma wollten wir auf einem schönen kleinen Wohnmobilplatz auf einer großen Farm übernachten, es war aber alles ausgebucht. Der Besitzer bot uns an, sich irgendwo auf seiner Farm einen Platz zu suchen und das kostenlos.

 

Nach unserer Erfahrung in St. Louis machen wir in keiner Großstadt einen Stop. In Dallas führte der Highway direkt durch die Innenstadt, entweder unterirdisch oder über ziemlich komplizierte Straßenführungen. Navi sei Dank.

Heute sind wir nach langen Fahrtagen im mittleren Texas angekommen. Gestern morgen noch mit Heizung, heute bei 30 Grad mit Klimaanlage. Morgen fahren wir nach Fredericksburg und wollen dort 2 Tage bleiben.

11.03.18 - 14.03.18

 

Bisher läuft unser Wohnmobil ohne Probleme. Produktionsfehler sind noch nicht aufgetreten und an den Verbrauch von 27 Liter auf 100 km müssen wir uns einfach gewöhnen. Bei Preisen von 0,40 - 0,50 Euro ein schwacher Trost. Hier 2 Bilder vom Innenraum, das Bad und die getrennte Dusche fehlen dort.

Diese Woche ist Spring Break, d.h. Ferienzeit. Wir haben das Gefühl, das alle Amerikaner unsere Route fahren, da die Campingplätze sehr gut belegt sind. Vor Fredericksburg übernachten wir noch in Llano, dort ist der Bär begraben und wir stehen schön am Flußufer. Besonders viel gibt es nicht zu sehen, aber bei dem schönen Wetter machen wir einen längeren Spaziergang durch den Ort.

Bereits auf der Einfahrt nach Llano sahen wir einen Vorgarten mit allerlei Flaschenbäumen. Also machten wir einen Spaziergang dorthin. Da es oft keine Fußgänger- bzw. Fahrradwege gibt (für wenn auch?), bleibt einem nur der Rand der Fahrbahn. Die Amis in ihren Autos bringt das immer völlig durcheinander und sie fuhren langsam in einem großen Bogen an uns vorbei. Es ist wohl die Angst, jemanden anzufahren und dann eine Millionen-Dollar-Klage am Hals zu haben. Vielleicht werden wir ja mal verhaftet wegen "zu Fuß gehen".

 

Den Vorgarten haben wir wohlbehalten erreicht, hier die Bilder.

Kurz vor Fredericksburg befindet sich die Enchanted Rock State Area. Dieser riesige Granitfelsen ist ein beliebtes Ausflugsziel, vor allem in den Ferien. Ohne Reservierung kommt man nicht hinein und nur 200 Fahrzeuge dürfen gleichzeitig in den Park. Jeder ohne Reservierung darf weiterfahren, auch wir gehörten dazu. Wir drehten am Eingang die Scheibe hinunter um nach einer Möglichkeit für die nächsten Tagen zu fragen und bekamen ein Permitt für den Nachmittag in die Hand gedrückt, denn auch am Nachmittag dürfen noch einmal 200 PKW´s hinein.

 

Glücklich fuhren wir nach Fredericksburg und wollten uns einen Campingplatz suchen. Alles war für den Rest der Woche komplett ausgebucht und so blieb uns nur der dortige Walmart. Kurz beim Customer Service nachgefragt, wir durften auf dem Parkplatz kostenlos  übernachten.

 

Pünklich um 13:00 Uhr waren wir wieder am Enchanted Rock und reihten uns in die laaaange Autoschlange ein. Dann war es geschafft und wir wanderten bei schönstem Sommerwetter umher.

Natürlich kann man auch hinauflaufen. Der Blick von oben ist nicht besonders spektakulär, hier aber noch ein paar Bilder vom Enchanted Rock.

Fredericksburg wurde von Auswanderern aus Deutschland gegründet und auch heute noch findet sich viel Brauchtum aus der Heimat. Der Ort wirkt im Vergleich zu anderen "amerikanischen" Orten sehr gepflegt und natürlich kann man hier in den Restaurants Sauerkraut mit Bratwurst bestellen. Die vielen Geschäfte im historischen Bereich sind gut sortiert und sehr geschmackvoll eingerichtet.

Ein Weihnachtsladen darf natürlich nicht fehlen und dieser war sehr gut sortiert. Auch die Preise waren touristisch, Fotografieren aber kostenlos.

Die Häuser in Fredericksburg sind für amerikanische Verhältnisse recht alt, aber sehr gut erhalten. Die Restaurants waren sehr gut besucht und auch in den Geschäften war einiges los.

Die Nacht auf dem Parkplatz des Walmart war angenehm und nach einem letzten Einkauf verließen wir früh Fredericksburg. Am Ortsrand sahen wir noch ein Geschäft mit bunten Metallarbeiten. Die Sachen waren recht günstig und originell, leider zu groß für das Handgepäck.

Unser nächstes Ziel, der Big Bend Nationalpark tief im Süden zur mexikanischen Grenze. Nach 190 Meilen fanden wir in Del Rio einen netten Campingplatz und legten einen "Waschtag" ein. Das Wetter war hochsommerlich, morgen fahren wir dann die restlichen 240 Meilen zum Nationalpark.

15.03.18 - 17.03.18

 

Von Del Rio fuhren wir Richtung Westen und es kam der erste Checkpoint der Border Police, wo hauptsächlich nach illegal eingereisten Mexikanern gesucht wird. Ausweis vorzeigen, kurzes Interview (wieso, weshalb, wohin) und auch der Schäferhund mußte seine Nase einmal um das Wohnmobil herum bewegen. Wir durften weiter und auch in den nächsten Stunden sahen wir immer wieder Fahrzeuge der Border Police.

In Langtry gibt es inmitten der Pampa ein sehr schönes Visitor-Center. Wie immer wurden wir freundlich begrüßt und mit Informationen versorgt. Im schön angelegten Garten blühten die ersten Kakteen und dort steht ein original erhaltener Saloon aus vergangenen Zeiten.

Weiter ging es und die Landschaft wurde immer karger. In Sanderson hielten wir an und machten Mittag. Die Orte sind meistens kurz vor dem Verfall und geben nicht viel her. Nur das örtliche Gartencenter fiel mit seiner Deko aus dem Rahmen.

Marathon war der nächste Ort und auch hier gab nicht wirklich viel zu sehen. Aber für einen kleinen Spaziergang reichte es dann doch.

Der Big Bend Nationalpark liegt abseits und ist nur durch eine lange Anfahrt zu erreichen. Natürlich war immer noch Spring Break (Ferien) und am Parkeingang fiel uns sofort das große Schild (Campgrounds full) auf.


Also durchfuhren wir den Nationalpark und fanden in Terlingua am westlichen Ausgang einen Stellplatz für 2 Nächte. Rasen gibt es in der Wüste kaum, daher steht man mitten in staubiger Landschaft.

Am nächsten Tag fuhren wir dann früh in den Big Bend Nationalpark, der mit einer Gesamtfläche von 3.200 qkm einer der größten Nationalparks der USA ist. Da wir nicht nur ziellos durch den Park fahren wollten, nahmen wir den Ross Maxwell Scenic Drive zum Santa Elena Canyon. Uns gefiel die Landschaft sofort und wir machten viele Stops.

Am Santa Elena Canyon standen wir dann direkt am Rio Grande, dem Grenzfluß zu Mexiko. Im Sommer muß es hier unerträglich heiß sein, heute hatten wir "nur" 26 Grad. In den Canyon hinein führt ein ca. 1 km langer Weg, eine schöne Wanderung.

Unterwegs hielten wir immer wieder an, um blühende Kakteen oder andere Pflanzen zu fotografieren. Leider ist die Zeit der Wildblumenblüte noch nicht gekommen, etwas sahen wir aber doch.

Hier noch ein paar Landschaftsbilder aus dem wirklich schönen Big Bend Nationalpark.

Vier Meilen von unserem Campingplatz entfernt gibt es noch die Terlingua Ghosttown. Wir erwarteten zerfallene Ruinen, aber hier war mehr Betrieb als in den bewohnten Orten, die wir gestern durchfuhren.

Am späten Nachmittag waren wir dann zurück auf dem Campingplatz. Der Himmel bedeckte sich leicht und es fielen ziemlich genau 14 Tropfen Regen. Morgen fahren wir weiter Richtung Norden.

18.03.18 - 23.03.18

 

So, da sind wir wieder. In den letzten Tagen standen wir frei oder in State Parks (ohne Internet). Die letzten Tage waren sehr ergiebig und hier kommen die Bilder.

 

Die Etappe vom Big Bend NP nach Marfa kann man auf zwei Routen fahren. Wir wählten die längere Scenic Route über eine zeitweise sehr steile Straße. Auch hier waren wir ganz begeistert von der schönen Landschaft und immer wieder sahen wir den Rio Grande, der um diese Jahreszeit aber wenig Wasser führt.

Der kleine Ort Marfa wird überall als sehenswert angepriesen. Bis auf ein paar gut erhaltene Häuser gab es für uns nicht viel zu sehen und weiter ging es Richtung Van Horn.

Gisela glaubte mir nicht, das wir heute noch ein Geschäft der Designermarke Prada sehen werden. Und siehe da, mitten in der Wüste steht am Highway eine kleine Prada-Boutique, die aber nie geöffnet hat. Dieser Laden wurde 2005 in Zusammenarbeit mit Prada von den skandinavischen Künstlern Michael Elmgreen und Ingar Dragset entworfen.

Van Horn (der Ort heißt so, wir sind nicht in Holland) ist kaum größer als Marfa, wirkte aber wie eine Großstadt. Direkt an der Interstate 10 gelegen, die von Los Angeles quer durch die USA bis nach Florida führt, macht man hier ein gutes Geschäft mit den Reisenden. Auch wir übernachteten dort und fuhren am nächsten Morgen zu den Guadalupe Mountains. Wir hatten Texas als plattes Land erwartet und waren nun erstaunt über die bis zu 2700 Meter hohen Berge. Die Fahrt zu dem Nationalpark war traumhaft schön und die Straßen fast leer.

 

Der Nationalpark selber war bis auf die tolle Landschaft nicht so ergiebig. Da wir wieder einmal eine neue Zeitzone erreichten, war es erst 9 Uhr morgens. Wir schauten uns im Visitorcenter um und machten noch ein paar Bilder, bevor es zu den Carlsbad Caverns ging.

Bei den zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden unterirdischen Höhlen traf uns fast der Schlag. Eine unendlich lange Autoschlange fuhr die 7 Meilen zum Visitorcenter hinauf und dort angekommen waren diverse Polizisten damit beschäftigt, die Autos und Wohnmobile auf die Parkplätze zu verteilen. Auch im Visitorcenter stand eine lange Schlange an den 4 Ticketschaltern an. Mit dem Fahrstuhl ging es dann knapp 250 Meter hinab in das gigantische Höhlensystem.

Es ist nur ein kleiner Teil zugänglich, aber allein für den "Big Room" benötigten wir 1,5 Stunden. Die Größe des Höhlensystems ist unvorstellbar und wir machten viele Bilder.

Am Fahrstuhl stand erneut eine endlose Menschenschlange (hinunter warteten wir nur 5 Minuten) und kleine Schilder zeigten an, das wir über 1 Stunde warten sollten. Kurzentschlossen machten wir uns zu Fuß auf den Weg nach oben und nach 250 Höhenmeter und 2 steilen km erreichten wir den Ausgang.

Auf einem schönen Campingplatz (gehört zur KOA-Kette) erholten wir un von dem Höhlenbesuch und am nächsten Morgen fuhren wir nach Alamogordo. Unterwegs stoppten wir noch für einen Rundgang durch Artesia.

Auf den restlichen 60 Meilen bis nach Alamogordo hatten wir einen extrem starken Seitenwind und das große Wohnmobil schaukelte nicht schlecht. Auf fast 2.800 Meter Höhe hielten wir in dem Touriort Cloudcroft an und verließen unser Heim für einen Spaziergang. Schnell waren wir wieder im Wohnmobil, denn draußen wehte ein eisiger Wind und wir mußten unsere dicken Jacken anziehen. Aber selbst damit war es sehr ungemütlich.

Nach 7 Meilen steiler Abfahrt erreichten wir Alamogordo und es war wieder Sommer. Der Besuch des Space Museums war etwas langweilig und schnell waren wir wieder draußen.

Der Hauptgrund für die Fahrt über Alamogordo war das White Sands Monument. Diese schneeweiße Sandwüste wollten wir 2013 besuchen, hatten aber Pech und konnten wegen der damaligen Haushaltssperre nicht hinein, denn die Tore blieben damals zu. Heute wehte ein extremer Sturm und die Sicht war gleich Null. Daher verzichteten wir auf die 13 Meilen und übernachteten auf dem Parkplatz vom altvertrauten Walmart.

Am nächsten Morgen schien die Sonne, der Wind war verschwunden und schon um 7:30 erreichten wir White Sands. Nächster Schreck - diese Woche finden Raketentest statt, denn um White Sands herum befinden sich große Stützpunkte der Army und man muß seine Waffen ja auch mal Testen können. Laut dem Schild am Eingang sollten die Tests an diesem Tag nur bis 11:00 Uhr dauern (gestern war komplett geschlossen) und wir frühstückten direkt am Eingangstor. Schon um 9 Uhr hatte man wohl seine Raketen für heute verschossen (wir hörten einige dumpfe Explosionen) und White Sand öffnete seine Pforten.

Die wunderschön angelegte Piste führt in einem großen Bogen durch schneeweiße Sanddünen und auch hier gibt es vorbildlich angelegte Picknickplätze. Im März ist es aber morgens bitterkalt und an Picknick war nicht zu denken. Wir genossen aber dick angezogen diese schöne Landschaft und hatten es endlich geschafft, White Sands zu besuchen (morgen wäre wieder komplett geschlossen gewesen).

Weiter ging es Richtung Westen und im Rockhound State Park fanden wir den letzten freien Platz, sogar mit Strom und Wasser für nur 9 US$ die Nacht. Wir wanderten umher, sahen wieder viele Kakteen und genossen dieses schöne Stück Natur. Abends wurde es wieder schnell kalt. Schön, wenn man eine Heizung hat.

Nur 40 Meilen weiter gibt es den City of Rocks State Park. Auf der Fahrt dorthin gab es plötzlich einen lauten Knall und die Windschutzscheibe war voller Blut und Federn, leider ein Vogel weniger auf der Welt. Dafür hatten wir in dem State Park wieder einmal Glück und bekammen den letzten freien Platz.

 

Auch hier mit überdachter Sitzmöglichkeit, Strom, Wasser und Duschen für 9 US$.

City of Rocks State Park (zum Vergrößern bitte anklicken)

Kurz vor Tucson bogen wir links ab, Richtung Chiricahua National Monument. Dieser Name sagte uns bisher gar nichts und wir wurden wieder einmal überrascht. Über eine schmale Straße ging es hoch hinauf und wir machten erst einmal Mittag.

Frisch gestärkt machten wir uns auf eine Wanderung, die erst einmal steil hinab ging. Durch eine interessante Felsenlandschaft schlängelte sich der Weg immer tiefer hinab und immer wieder hatten wir tolle Blicke.

Natürlich war der einfache Campingplatz im Park wieder einmal "Full", daher stellten wir uns auf eine Wiese direkt vor die Einfahrt und übernachteten dort kostenlos. Etwas später kam noch ein kleiner Camper hinzu. Es war ein älteres Ehepaar aus Australien, die schon lange auf Tour sind, zuletzt 3 Jahre in Südamerika. Wir unterhielten uns lange mit ihnen und waren erstaunt, wie einfach sie im Vergleich zu den Amerikanern doch zu verstehen sind.

24.03.18 - 27.03.18

 

Die Etappe nach Bisbee an der Grenze zu Mexiko war kurz und schon früh kamen wir in dem kleinen Ort an. Bisbee ist ein extrem ergiebiges Fundgebiet für Mineralien und hat eine lange Geschichte vor allem beim Abbau von Kupfer und Silber.

Heute ist Bisbee ein sehr beliebter Ort für Touristen und auch uns gefiel es sehr. Die Temperaturen lagen trotz der Höhe von 1.688 Meter bei knapp 30 Grad und wir machten einen langen Spaziergang durch den Ort. Es gibt einen Rundweg, bei dem man 1000 Stufen bewältigen muß, wir haben einige ausgelassen.

Etwas außerhalb gibt es eine verlassene kleine Straße, in der Oldtimer abgestellt wurden. Dort findet man eine Atmosphäre aus vergangenen Zeiten.

Nach Tombstone waren es dann nur noch 25 Meilen durch die Wüste. In Tombstone wurde Wäsche gewaschen und dann machten wir einen Spaziergang durch den "Wilden Westen".

Am Abend gönnten wir uns ein leckeres Essen und ein kaltes Bier im stimmungsvollen Big Nose Kate´s Saloon. Gisela bestellte sich eine Pizza, von deren Reste wir noch 2 Tage leben konnten.

Die Etappe zum Organ Pipe National Monument war etwas länger und führte durch schöne Wüstenlandschaft. Auch auf dieser Fahrt wurden wir von der Border Police kontrolliert. Die Check-Points in der Wüste sind schon beeindruckend und sogar mit Quad-Bikes fährt die Border-Police kreuz und quer durch die Wüste auf der Suche nach Drogenschmuggler oder illegalen Mexikanern.

Der große und inmitten der Kakteen gelegene Campingplatz ist einfach nur schön und wir konnten uns einen Platz aussuchen.

Heute machen wir 2 schöne Wanderungen von 5 km durch die Kakteenlandschaft und wir haben Glück, denn mit knapp 20 Grad ist es angenehm zum Wandern. Obwohl der Platz gut besucht ist, sind wir auf den Wegen fast alleine, denn die meisten Amis fahren lieber Auto oder sitzen in ihren riesigen Wohnmobilen.

Leider war der Winterregen in diesem Jahr nicht so ergiebig, daher blühte kaum etwas. Normalerweise ist der März schon ein "bunter" Monat, nur in diesem Jahr nicht.

Organ Pipes bildet die Grenze zu Mexiko und überall sahen wir die Border Police herumfahren, ein wohl aussichtsloser Kampf.

 

"Why" ist ein winziger Ort und nur die kleine Tankstelle lohnt einen Halt.

Schöner war da schon die Stadt Ajo, die mexikanisches Flair versprüht. Es war Sonntag und kaum jemand unterwegs. Das Wetter war traumhaft schön und wir bummelten durch die kleine Innenstadt.

Auch hier haben sich Künstler an den Wänden ausgetobt, jedoch nicht mit sinnlosen Graffitis, sondern mit schönen Bildern.

Unterwegs führte der Highway mitten durch eine gewaltige Dünenlandschaft. Natürlich mußten wir anhalten und in den Dünen herumlaufen.

Bilder der Salvation Mountains sahen wir einmal in einer Zeitschrift und da sie fast auf unserer Route lagen, machten wir uns auf den Weg dorthin. Da es schon spät war, suchten wir einen Campingplatz, fanden aber keinen. Die ganze Gegend bestand nur aus riesigen Plantagen und Unmengen Mexikaner (ohne sie geht es wohl doch nicht) waren auf den Feldern beschäftigt.

 

In Brawley fuhren wir den Walmart an, dort stand kein Wohnmobil. Zufällig standen dort aber 4 (!) Sheriff- bzw. Polizeifahrzeuge vor der Tür. Wir fragten nach einen Campingplatz und man sagte, "Warum nicht hier auf dem Walmart-Parkplatz?". Den Vorschlag nahmen wir an und standen über Nacht als einzige "Gäste" dort.

Zu den Salvation Mountains waren es am nächsten Tag nur noch 25 Meilen und schon früh waren wir dort. Der 30 m hohe Hügel aus Beton und Lehm ist bunt bemalt, mit religiösen Botschaften beschriftet und von kapellenartigen Grotten umgeben. Leonard Knight brauchte 28 Jahre, um seine Arbeit fertigzustellen und sie wurde sogar vom US-Senat als nationales Kulturgut anerkannt. Der Hügel liegt mitten in der Wüste und das Klima hier ist sehr rauh.

Der Künstler ist 2014 verstorben und heute wohnt ein "Verwalter" in einer Mischung aus Bretterbude und Wohnwagen und kümmert sich um die Anlage und die Katzen, die dort seit 25 Jahren leben. Das ganze wird durch Spenden finanziert, heute war leider "Maltag" und wir konnten nicht hinauf auf die Anlage.

Salvation Mountain ist ein Teil von Slab City, einer unwirklichen Ansammlung von Aussteigern, die hier in der Wüste ohne Strom und Wasser ein Leben nach eigenen Maßstäben führen. Bei dem Klima (Wüste, Hitze, Staub) ist ein Leben dort extrem anstrengend und die "Häuser" gleichen für uns eher Bretterbuden. Die Anlage ist ziemlich groß und weitläufig. Nicht nur junge Menschen leben hier und alle waren sehr freundlich zu uns.

Mittelpunkt von Slab City ist ein Skulpturengarten. Aus Müll wurden hier einige interessante Sachen gebaut und wir liefen lange umher und wurden auch hier freundlich begrüßt.

Am riesigen, aber ökologisch ziemlich kaputten Salton Sea halten wir noch kurz am Bombay Beach. Der Name klingt verlockend, aber hier sieht es nicht viel besser aus als in Slab City. Auch der Strand ist trostlos und nach einer Mittagspause fahren wir weiter.

So, damit sind wir heute die fast letzte Etappe bis nach Anaheim (Vorort von Los Angeles) gefahren, morgen sind es noch 12 Meilen bis zu dem Vermieter. Dann geht es auf den langen Heimweg.

 

Das Wetter ist auch heute traumhaft, 12 Stunden Sonne und 25 Grad. Hier laufen viele mit "Mickymouse-Ohren" umher, denn gleich um die Ecke liegt Disneyland. Die Eintrittspreise sind ebenso wir Micky Mouse fantastisch.

 

Für uns heißt es gleich Koffer packen. Knapp 3600 Meilen liegen hinter uns, 1000 davon in den ersten 3 Tagen bis nach Texas. Wir hatten bis auf 14 (!) Regentropfen im Big Bend nur schönes Wetter, in der Nacht kühl, tagsüber aber fast immer schön warm bis heiß. Auch hier bei L.A. ist es mit 12 Stunden Sonnenschein bei 25 Grad gut auszuhalten.

 

Wir sahen viele lohnenswerte Stateparks und schöne einsame Landschaften. Soviel hatten wir im Vorfeld gar nicht erwartet. Ein Wiederkommen ist also nicht ausgeschlossen.