Norwegen


Endlich ist es soweit, es geht mit unserem Womo nach Norwegen. Über Glückstadt/Wischhafen fahren wir in 2 oder 3 Tagen nach Hirtshals in Nord-Dänemark. Die Fähre legt dort am 02.06.15 um 09:00 Uhr ab und erreicht Langesund um 13:30 Uhr. Einen Plan über die Tour haben wir nicht, wir fahren einfach drauf los und lassen uns überraschen.

 

Der großzügige Stauraum eines Wohnmobils hat auch seinen Nachteil. So haben wir in den letzten 3 Wochen bereits viele Dinge verstaut, die man auf eine Flugreise wohl kaum mitnehmen würde.  Da Norwegen im Vergleich zu Deutschland ein sehr  teueres Land sein soll, haben wir natürlich auch einen Vorrat an Lebensmittel eingepackt.


Vor der Abfahrt ging es auf die Waage. Nicht wir, sondern unser ziemlich vollgepacktes Wohnmobil. Die öffentliche Waage bei der Müllverbrennung zeigte 3.250 kg, also ist noch Reserve vorhanden.

 

30.05.15-04.06.15


Die erste Etappe führte bis nach Flensburg, wo es ohne Pause stürmte und regnete. Am Morgen die letzten Einkäufe vor der Grenze nach Dänemark und ab nach Hirtshals, von wo am nächsten Morgen um 9:00 Uhr die Fähre ablegen sollte.

 

Nicht weit von den Anlegern der erstaunlich großen Autofähren gibt es eine große Wiese für Wohnmobile. Hier kann man kostenlos Übernachten und die Wiese war gut gefüllt. Norwegen scheint ein sehr beliebtes Ziel für Wohnmobilfahrer zu sein.

Am nächsten Morgen ging es pünklich zum Einchecken, natürlich bei strömenden Regen. In der Warteschlange standen überwiegend Wohnmobile, die meisten aus Deutschland, jedoch auch viele Holländer. Mit etwas Verspätung ging es los und die 4 stündige Überfahrt verlief trotz der rauhen See ruhig. In dem Duty-Free-Shop auf dem Schiff bekommt man schon einmal einen Vorgeschmack auf die Preise in Norwegen - gekauft haben nur die Norweger.

Bei unserer Ankunft in Langesund regnete es heftig, das Wetter klarte jedoch schnell auf und plötzlich kam die Sonne durch, ein guter Start.

Die Fahrt in das Landesinnere gab schon einen Vorgeschmack auf die Reise. Es ging auf und ab und die Landschaft gefiel uns auf Anhieb. An einem See fanden wir den ersten Campingplatz.

Die Stabkirche von Heddal wurde bereits 1250 errichtet und ist die Größte ihrer Art in Norwegen. Die 26 m hohe und komplett aus Holz errichtete Kirche ist beeindruckend anzusehen und eine große Touristenattraktion.

Früher gab es über eintausend Stabkirchen in Norwegen, heute sind nur noch wenige Dutzend vorhanden. Die Kirche in Heddal gilt als die Schönste.

Die weitere Fahrt mit den vielen Seen und den Wäldern erinnerte uns sehr an Kanada. In Rjukan machten wir eine längere Pause, bei wunderschönem Wetter. Rjukan liegt umgeben von hohen Bergen und zwischen Oktober und Mitte März erreicht kein Sonnenstrahl den Ort. Daher gibt es hier eine Seilbahn, mit der man den Gipfel erreichen kann, um im langen Winter etwas Sonne zu "tanken".

Die Fahrt über das Hochland war besonders beeindruckend, den hier lag noch richtig viel Schnee. Unendlich viele Holzhäuser sind zu sehen, ein riesiges Skigebiet der Norwegen im Winter.

Unsere ersten Stellplätze lagen alle am See, ohne Mücken. Am Abend wird es recht frisch, da hilft der Heizlüfter.

Für den großen Geldbeutel gibt es in Dalen ein altes Hotel. Leider war es wegen einer großen Feier nicht zugänglich, aber auch von außen macht es einen schönen Eindruck.

05.06.15-08.06.15


Auf der Fahrt zu unserer nächsten Etappe, der kleinen Stadt Odda, gab es eine Überraschung - Schnee in rauhen Mengen. Ein Norweger erzählte uns, das es Anfang Juni noch sehr viel Schnee gab und einige Pässe noch gesperrt sind. Die Schneemengen sind auch für die Norweger überraschend, sichern aber durch das Schmelzwasser die Energieversorgung für das Jahr, da fast der gesamte Strom für Norwegen ( + Stromexport) durch Wasserkraftwerke produziert wird.

Die Temperaturen auf dem Paß gingen gegen Null und es gab leichten Schneefall. Wo sind nur unsere Winterjacken? Wir ließen es uns trotzdem nicht nehmen, durch den Schnee zu tapsen und die Winterlandschaft zu bestaunen.


Heute bekamen wir auch schon einmal einen Vorgeschmack auf die unendlich vielen Tunnel in Norwegen. Einige wirkten etwas eng, vor allem bei Gegenverkehr durch LKW´s.

Irgendwann war dann der Paß überwunden und in Roldal erholten wir uns von der doch anstrengenden Fahrt. Der Schnee, die vielen Tunnel und die lange steile Fahrt bergab waren für uns ungewohnt. Die Stabkirche in Roldal schauten wir uns nur von außen an.

Odda, unser Übernachtungsziel, liegt an einem Fjord und den Stellplatz hat man im kleinen (sehr kleinen) Hafen auf einer Betonfläche eingerichtet. Für 150 Kronen inkl. Strom und Topblick auf die Berge jedoch ein guter Platz.


Am Sorfjorden entlang ging es wieder durch viele Tunnel bergauf.

Die Etappe führte über die Hochebene der Hardangervidda. Am Tag davor war diese Strecke gesperrt, der Grund, extremer Schneefall. Obwohl nur auf knapp 1000 Meter Höhe gelegen, konnten wir wieder eine traumhafte Winterlandschaft genießen.

Die steilen Serpentinen bergab sind fast noch anstrengender wie die Fahrt bergauf. Selbst im Tunnel gibt es noch recht steile Kurven und in einem Tunnel befand sich unerwartet ein Kreisverkehr, der in einem hellen Blauton beleuchtet war.

An diesem Tag sind wir durch fast 20 Tunnel gefahren, Gesamtlänge ungefähr 60 km. Tunnelfahren kann anstrengend sein, vor allem durch den mit 24,5 km langen Lærdalstunnel, dem längsten Straßentunnel der Welt. Hier hat man sogar leichte Kurven eingebaut, damit man nicht ermüdet. Dazu gibt es 3 schöne beleuchtet "Hallen", die im Notfall ein Halten ermöglichen.

Von Aurland wollten wir einen weiteren Paß fahren, der jedoch noch komplett zugeschneit war. Der Aussichtspunkt Stegastein war aber geöffnet, von hier hat man einen tollen Blick auf den Naeroyfjord. Zwischendurch regnete es in den letzten Tagen immer wieder, in den entscheidenden Momenten hatten wir aber Glück und die Sonne kam durch. So konnten wir bisher eine traumhafte Landschaft erfahren, die wir so nicht erwartet hatten.

Zum Aussichtspunkt Stegastein geht es in engen Serpentinen, meistens einspurig. Der Blick von oben entschädigt jedoch für die anstrengende Kurverei.

09.06.15-13.06.15

 

In Fodnes mußten wir die erste Fähre nehmen. Für ein relativ kurzes Stück waren immerhin knapp 30 Euro fällig, ein teuerer Spaß. Vor allem wenn man bedenkt, das noch viele Fähren vor uns liegen, bei denen die Überfahrt länger dauert. Auf dem Campingplatz in Sogndal war dann erstmals richtig etwas los und gegen Abend war der schöne Platz am Fjord fast ausgebucht.

Von Sogndal aus wollten wir eigentlich zum Geiranger Fjord und dann weiter nach Trondheim. Die Wettervorhersage war aber so schlecht, daß wir unsere Route kurzerhand änderten. Überhaupt scheint das Wetter in diesem Jahr völlig verrückt zu spielen. Viel zu viel Schnee, viel zu kühl, viel Wind, viel Regen. Obwohl wir bisher Glück hatten, wollten wir die nächsten Tage nicht im Regen verbringen. Neues Ziel: Lillehammer.

Auf der Etappe dorthin hielten wir an der von außen unscheinbaren Dale Kirche in Luster. Der Gottesdienst war gerade vorbei und die Kirche offen. Da diese Kirche nicht auf einer Touristenstrecke liegt, war der Eintritt frei (i.d.R. zahlt man für den Eintritt mindestens 5 heilige Euro p.P.). Die Dale Kirche wurde um 1250 aus Granitgneis und Speckstein gebaut und die Mauern sind 1,50 m dick. Von innen ist sie wunderschön geschmückt und wir konnten sie ganz alleine für uns genießen.

Über 10 Kurven mit bis zu 12% Steigung ging es dann über 900 Höhenmeter die Sognefellstrasse hinauf. Leider war die Sicht sehr schlecht und von den 2400 m hohen schneebedeckten Gipfeln sah man überhaupt nichts. Man konnte zeitweise nicht einmal 20 m weit sehen, so nebelig war es. Auf 1400 m war der höchste Punkt erreicht und es lag unvorstellbar viel Schnee. Zeitweise lag der Schnee links und rechts der Straße 4 m hoch, wegen der schlechten Sicht wollten wir für ein Bild nicht im dichten Nebel anhalten.


Eine Haltebucht war dann aber doch geräumt, hier konnten wir anhalten und die Schneemassen bestaunen. Vielleicht kommen wir hier auf der Rückfahrt noch einmal vorbei, dann hoffentlich
bei schönem Wetter.

Dann ging es ebenso schnell wieder bergab bis zum kleinen Ort Otta, unserer nächsten Übernachtungsstation.


Die Tage sind hier im übrigen sehr lang, im Schnitt 20-21 Stunden. Um Mitternacht ist es noch hell draußen und so sind die Abende immer sehr lang.


Auf der E6 ging es dann ausnahmsweise Richtung Süden, Lillehammer entgegen. Unsere Vorstellung, das die E6 2-spurig wird und wir schnell vorankommen, erfüllte sich nicht. Die Hauptroute führt mitten durch jeden Ort und oft sind nur 50 km erlaubt. Unzählige Blitzkameras und heftige Geldbußen bei Überschreitungen der Geschwindigkeit sorgen dafür, das man sich gerne an die Vorgaben hält.


Dann ist Lillehammer erreicht, Austragungsort der Winterolympiade 1994. Die Stadt ist überraschend klein und die Fußgängerzone schnell erkundet. Es gibt nette Geschäfte, aber die Preise....

Das Wetter in Lillehammer war wie erhofft sehr gut und von unserem Stellplatz waren es nur 40 Minuten Fußweg (immer bergauf) zum Museumsdorf Maihaugen. Hier haben wir den halben Tag verbracht. Es ist nichts weltbewegendes, aber die große Anlage ist schön angelegt und einen Besuch wert.

Der Besuch der Olympiaschanze gehört natürlich zum Programm in Lillehammer.  Mit dem Sessellift fahren wir gemütlich hinauf und stehen am Startpunkt der Skispringer. Der Blick ist beeindruckend und etwas furchterregend, da man von oben die Landefläche nicht erkennen kann. Hinab geht es über 954 Stufen.

Wir verlassen Lillehammer in nördlicher Richtung mit Ziel Roros. Hottentlich ändert sich das Wetter im Norden langsam. Insbesondere auf den Lofoten soll es seit Tagen heftig Regnen.

14.06.15-17.06.15


Etwas abseits der Hauptrouten und nur wenige km von der Grenze zu Schweden entfernt liegt die kleine Stadt Røros. Fast 350 Jahre lebte der Ort vom Bergbau, bevor 1977 die letzte Kupfermine der Region geschlossen wurde. Die UNESCO hat die gesamte Siedlung 3 Jahre später zum „Kulturerbe der Menschheit“ erklärt.

Heute ist der Ort (4500 Einwohner) während der Ferienzeit völlig überlaufen, noch war kaum etwas los und wir konnten den historischen Kern fast für uns alleine genießen. Der Ort wurde von Bränden verschont und so sind noch viele alte Holzhäuser erhalten geblieben.

Die Norweger kommen im Sommer in Herrscharen zum Shoppen und Essen nach Roeros. Die Galerien und kleinen Läden sind interessant aber wie immer viel zu teuer.

Der Bereich um die Kupferminen mit seinen großen Schuttbergen ist besonders interessant.

Natürlich gibt es auch in Roeros eine Kirche, sogar aus Stein. Sie ist mit 1600 Sitzplätzen eine der größten Norwegens.

Hier einmal wieder Bilder aus der Rubrik "Sonstiges"

Die nächste Etappe führte nach Trondheim. Es waren nur knapp 150 km, aber auch hier ging es gefühlt keine 2 km geradeaus. So dauerte die Fahrt dann mal wieder etwas länger. Trondheim hat 180.000 Einwohner und war die erste wirkliche Stadt auf unserer Reise. Der Verkehr war dementsprechend und wir durchfuhren mehrere Mautstationen (die Rechnung über die Maut kommt irgendwann per Post direkt nach Hause).

Uns war es fast schon zu hektisch in Trondheim und die geplante Übernachtung dort fiel aus. In 3 Stunden (Parkgebühr pro Stunde knapp 2,50 Euro) schauten wir uns nur die alten Speicherhäuser und den Nidarosdom an.

Der Nidarosdom in Trondheim ist sehr sehenswert. Mit dem Bau wurde 1070 begonnen, mehrere Brände ab dem 14. Jahrhundert zerstörten den Dom jedoch komplett und erst 1869 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen.

Überall stehen Hinweise - No Camera. Warum das Fotografieren verboten ist, konnte uns niemand sagen. Durch Zufall haben wir auf der Speicherkarte dann doch Bilder von Innenaufnahmen gefunden.

Über diverse Mautstationen verließen wir Trondheim in nördlicher Richtung mit Ziel Lofoten. Bis dorthin sind es auf der E6 knapp 900 km.

Nun waren wir in Nordland und der Polarkreis nicht mehr weit entfernt. Dieser kündigte sich mit leichtem Schneefall und Temperaturen von knapp 1 Grad an.


Am Polarkreis gibt es ein großes Visitorcenter mit allerlei Krimskram und einem Schnellrestaurant. Erstaunlich, was hier in der Einöde los war.

18.06.15-21.06.15


Vom Polarkreis zu den Lofoten ging es dann über viele KM auf der E6 Richtung Norden. Der Verkehr hielt sich zwar in Grenzen, aber die LKW´s fahren auch hier rücksichtslos nur wenige Meter hinter einem her. Irgendwann muß man dann einfach rechts ranfahren und den Wahnsinnigen vorbeilassen. Die Fahrt ist landschaftlich weiter beeindruckend und der Schnee bleibt uns erhalten, jedoch immer oberhalb der Straße.

Es gibt mehre Möglichkeiten, auf die Lofoten zu gelangen. Die teuerste ist die Fähre von Bodo, die mittlere Preisvariante die Fähre von Bognes und die günstigste Möglichkeit die lange Autofahrt über Narvik. Wir entschieden uns spontan für die Fähre von Bognes.


Die Warteschlange war bereits recht lang, aber zu unserem Erstaunen war die Fähre recht groß und alle kamen ohne Probleme mit. Dann ging es los, eine Seefahrt von ca. 1 Stunde. Das Wetter auf den Lofoten war in den letzten 2 Wochen eine einzige Katastrophe - Regen, Regen, Regen...


Schon von Weitem konnten wir ahnen, was da auf uns zukommt.

Wir verließen die Fähre und standen augenblicklich in einer Waschanlage, die nicht mehr aufhören wollte. Unser Ziel war es, schnell einen Campingplatz zu finden, was uns dann nach 30 Minuten gelang. Der Boden war durch den Regen der letzten Wochen schon völlig aufgeweicht und wir fühlten uns wie in einem Moor.


Am nächsten Tag begannen wir unsere Tour auf die Lofoten und kaum zu glauben, das Wetter wurde besser und der Regen hörte auf. Erster Stopp war die kleine Stadt Solvaer.

Schon seit etwa 1 Woche haben wir 24 Stunden am Tag Helligkeit, für uns ziemlich ungewohnt. Man schaut irgendwann auf die Uhr und stellt fest, das es bereits fast Mitternacht ist und man eigentlich zu Bett gehen sollte - müde ist man aber nicht wirklich.


Es gibt nur eine Straße auf den Lofoten, diese ist in fester Hand von Wohnmobilen. Es ist unglaublich, war hier unterwegs ist, dabei hat die Hauptreisezeit gerade erst begonnen. Ein Grund für den Ansturm ist die traumhafte Landschaft der Lofoten.

Die Etappen auf den Lofoten waren recht kurz. Wenn wir einen schönen Platz gefunden hatten, blieben wir einfach dort. Besonders gefallen hat uns der Campingplatz in Brustranda. Der Blick war traumhaft und es gab nur einige kurze Schauer, begleitet von Regenbögen. Die letzten beiden Aufnahmen entstanden um Mitternacht.

Nun wurde das Wetter richtig schön (d.h. kein Regen, Sonne und über 10 Grad) und wir konnten den schönen Ort Reine genießen.

Die Lofoten leben vom Fischfang und dem Tourismus. Eine Spezialität ist der sogenannte Stockfisch. In erster Linie nimmt man den Kabeljau und trocknet ihn über mehrer Monate auf Holzgestellen an der Luft. Der Geruch ist schon von weitem wahrzunehmen, probiert haben wir ihn nicht (soll recht gewöhnungsbedürftig sein).

Die kleine Orte auf den Lofoten sind recht gemütlich. Man parkt auf einem großen Parkplatz und erkundet die Umgebung zu Fuß. Die Orte sind aber meistens sehr klein und man ist schnell durch. Zentrum ist fast immer ein großer Platz mit Cafe und Restaurants. Ein typischer Ort ist Henningsvaer.

Einsam am Straßenrand sahen wir den Campingplatz von Lyngvaer. Dieser gefiel uns auf Anhieb und wir blieben eine Nacht. Was kann man dort machen? Außer Angeln nichts.

Ein großer Teil der Dächer in Norwegen sind begrünt. Es wachsen sogar kleine Bäume auf den Dächern, oft blüht es dort vielfarbig und das Gras wächst sehr hoch. Wir fragten uns oft, ob auf dem Dach gemäht wird, auf dem folgenden Bild ist die Antwort zu finden.

Schafe auf dem Dach haben wir bisher noch nicht gesehen und auch die Norweger haben kurz angehalten und sich den Schnappschuß nicht entgehen lassen.


Am Ende der Lofoten liegt der winzige Ort Å (heißt wirklich so).


Traumhafte Lofoten (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

22.06.15-27.06.15

 

Nun wurde das Wetter auf den Lofoten richtig gut und bei schönstem Wetter fuhren wir dieeinzige Hauptstraße wieder zurück, diesmal mit einem anderen Blickwinkel. Obwohl der Winter hier sehr lang ist und die letzten Wochen eher kalt waren, ist alles unglaublich grün.

Wir machen noch einen kleinen Abstecher auf die Vesterälen. Hier wirkt die Landschaft im Vergleich zu den Lofoten nicht so gewaltig und wir sind etwas enttäuscht. In dem kleinen Fischerdorf Stø verbringen wir die Nacht und können noch einmal einen riesigen Berg Trockenfisch bestaunen.

Wir verlassen das Gebiet der Lofoten bzw. Vesterälen und wollen eigentlich an der Küsteentlang zurück Richtung Trondheim. An der Abzweigung Richtung Nordkap ändern wir spontan unseren Entschluß, nicht so weit hoch zu fahren. Kurze Abstimmung: 2:0.


Es sind von der Abzweigung noch gut 800 km nordwärts und so machen wir uns auf den Weg.

Die nächsten 2 Nächte verbringen wir auf Rastplätze, da es nicht viele Möglichkeiten gibt. Die Gegend wird einsamer und wir sehen die ersten Rentiere, leider keine Elche. Die Helligkeit in der Nacht ist für uns immer noch beeindruckend.

Eine der wenigen Städte in Nordnorwegen ist Tromsø. Die Stadt gefällt uns auf Anhieb, vor allem die schöne Innenstadt mit ihren alten Häusern. Die Gemeinde hat immerhin 65.000 Einwohner, davon ca. 10.000 Studenten. Daher gibt es viele Cafes und nette Kneipen. Rund um Tromsø sind die Berge noch mit Schnee bedeckt, ein schöner Anblick.

Die Stadt ist bunt geschmückt, denn heute findet der Midnight Sun Marathon statt. Überall sind Stände aufgebaut und man wartet gespannt auf das große Ereignis. Man hört Musik von den vielen Musikkapellen, die durch die Stadt marschieren.

Es geht weiter Richtung Norden und die Landschaft bleibt beeindruckend. Norwegen ist von Nord bis Süd voller Kurven und es geht stetig auf und ab.

Ein weiterer Abstecher führt nach Hammerfest, nach eigenen Angaben die nördlichste Stadt der Welt. Ob Stadt, Postamt, Fischerdorf..., - in Norwegen schmückt man sich gerne mit dem Attribut "nördlichste".

Hammerfest hat eine reiche Zukunft. In der Barentsee wurde nach der Entdeckung eines riesigen Gasfeldes auf einer der Stadt vogelagerten Insel Europas größte Erdgasverflüssigungsanlage gebaut. Über eine 150 km lange Pipeline bezieht die 2007 in Betrieb genommene Anlage das Gas aus dem Feld mit dem hübschen Namen Snøhvit (Schneewittchen).

Die Stadt war im 2. Weltkrieg fest in Deutscher Hand (Erzvorkommen) und wurde beim Rückzug sinnlos komplett dem Erdboden gleichgemacht. Das Schicksal traf noch andere Städte und Dörfer in Norwegen.

Die Stadt war heute besonders voll von Menschen, denn die AIDALuna lag im Hafen und sämtliche Passagiere waren in der kleinen Stadt unterwegs.

Da Baugrundstücke in Hammerfest kaum vorhanden sind, baut man hier wie bei uns in die Höhe. Von einem Aussichtspunkt hat man einen schönen Blick auf den Ort und sogar auf die Erdgasverflüssigungsanlage.

Dann ging es auf die letzte Etappe zum nördlichsten Punkt Europas, dem Nordkap. Eigentlich liegt das Nordkap auf einer Insel und ist somit nicht der nördlichste Punkt des Festlandes. Das Kap Knivskjelodden liegt sogar noch 3 km weiter nördlich, Schwamm drüber.


Der Nordkaptunnel führt auf 6870 m 212 m tief unter dem Meer hindurch auf die Insel. Es  geht knapp 3 km hinab, dann knapp 3 km bergauf, eine kleine Achterbahnfahrt. Der Tunnel hat 1 Milliarde Kronen (ca. 120 Millionen Euro) gekostet. Das Geld wurde durch die Maut inzwischen wieder eingenommen und damit entfällt diese und die Nutzung ist kostenlos. So verfährt Norwegen mit allen Mautstrecken.

Bei unserer Ankunft schüttete es wie aus Eimern und wir waren frustriert. Aber nach 30 Minuten ließ der Regen nach und es wurde trocken. Alles strömte aus den Wohnmobilen, wir natürlich auch. Das Wetter wechselt hier oben blitzschnell. Zwischendurch zog mehrfach dichter Nebel auf und die Sicht war gleich Null, nach 5 Minuten war wieder klare Sicht.

Wer glaubt, am Nordkap steht man einsam an einer Klippe und schaut aufs Meer hinaus, der irrt. Man hat hier ein gewaltiges, überwiegend unterirdisches, Besucherzentrum in den Fels gesprengt. Ein Panoramakino, ein riesiger Souveniershop, Gastronomie, eine kleine hübsche Kirche, eine Lichtshow... Wir waren jedenfalls völlig baff.

Mit dem Wohnmobil kann man 24 Stunden direkt am Besucherzentrum stehen und übernachten. Neben den ca. 120 Wohnmobilen fuhren unentwegt Reisebusse vor und immer mehr Menschen strömten zur Weltkugel, dem Symbol des Nordkap. Die Busse kamen von 2 Kreuzfahrtschiffen, die im ca. 30 km entfernten Hafen von Honningsvaeg lagen. Der Trubel hielt bis nach Mitternacht an, erst dann fuhren die Busse die Massen wieder zurück zu den Schiffen.

Am nächsten Morgen schien die Sonne und es war für die Touristenbusse noch zu früh. So hatten wir das Nordkap fast für uns alleine und konnten endlich unser Bild machen.

Auf dem Rückweg vom Nordkap kamen uns wieder viele Reisebusse entgegen, 2 neue Kreuzfahrtschiffe waren angekommen.

Rentiere am Nordkap gehören einfach dazu.

28.06.15-03.07.15

 

Bei schönstem Wetter verließen wir das Nordkap und mußten noch einen kurzen Abstecher zum Fischerdorf Skarsvag machen, natürlich dem nördlichsten der Welt (naja, zumindest im nördlich gelegenen Spitzbergen sollte es wohl noch ein Fischerdorf geben). Was uns aber auffiel, die Straßen waren leer, es war fast niemand zu sehen.

In dem Ort gab es genau ein Geschäft, genauer ein Cafe mit angeschlossenem Weihnachtsdekoverkauf.

Den letzten Stop auf der Nordkapinsel machten wir in Honningsvåg, dem einzigen größeren Ort weit und breit. Hier lebt man nicht schlecht vom Nordkaptourismus, da sämtliche Kreuzfahrtschiffe und auch die Schiffe der Hurtigruten hier anlegen.

Dann ging es durch die beiden Tunnel wieder zurück auf das Festland und dann viele KM entlang der Küste Richtung Lakselv. Auf der engen Küstenstraße kamen uns viele Wohnmobile und Reisebusse aus ganz Europa entgegen. Die Vermarktung des Nordkap ist trotz der Entfernung dorthin perfekt.


An einem Rastplatz trafen wir einen Russen aus St. Petersburg, der mit seinen beiden Söhnen auf einer 20 Jahre alten Harley am Nordkap war. Sie nutzten das eiskalte Wasser des Porsangerfjord für ein Bad, aber selbst ihnen war es zu kalt und so waren sie schnell wieder draußen. Wir führten noch eine herzliche Unterhaltung, dann machten sie sich auf den Weg Richtung Grenze, die nicht mehr weit entfernt war.


Auch wir überlegten, einen Abstecher zur Grenzstadt Kirkenes zu machen, verzichteten aber wegen der schlechten Wettervorhersage.

Der Weg zurück war lang, sehr lang. Wir entschieden uns für die Strecke über Nordfinnland und Schweden. Finnland war ganz anders als Norwegen, eher flach und langweilig. Dafür konnten wir Bekanntschaft mit einer Plage machen, nämlich den Mücken. Daß wir in Euro bezahlen konnten, war ungewohnt, dafür überraschten uns die doch günstigen Preise.

Schweden war schnell erreicht und auch hier wollten wir nur schnell durch, was dann aber doch 4 Tage dauerte, da wir nicht zu lange Strecken fahren wollten. In Schweden haben wir auf schönen Rastplätzen kostenlos übernachtet und noch einmal eingekauft. Die Preise lagen aber für unser Empfinden nicht weit unter denen in Norwegen.

Dann waren wir wieder in Norwegen und unserem nächsten Ziel, dem Trollveggen. Das Visitorcenter war auch hier außergewöhnlich, wie so oft in Norwegen.


Im nahegelegenen Ort Åndalsnes lagen 2 Kreuzfahrtschiffe. Damit hatte der Ort zumindest für diesen Tag seine Einwohnerzahl mehr als verdoppelt.

Zurück Richtung Trollveggen fanden wir einen sehr schönen Campingplatz am Trollveggen. Der Trollveggen ist Europas höchste Steilwand und ragt ca. 1700 Meter über die Talsohle. Der lotrechte Teil der Wand ist bis zu 1000 m hoch und hängt bis zu 50 Meter über. Früher ein beliebter Ort für Base-Jumper, heute nach mehreren tödlichen Unfällen verboten.

Der wohl bekannteste Fjord Norwegens, der Geiranger Fjord, war unser nächstes Ziel. Um dorthin zu gelangen, mußten wir den Trollstigen fahren, die wohl beeindruckendste Straße Norwegens, wenn nicht sogar der Welt (zumindest haben wir so eine Straße noch nicht gesehen).

 

Über 11 Haarnadelkurven mit etwa 12 % Steigung geht es den Paß hinauf. Die Straße ist überwiegend einspurig, jedoch gibt es kleine Ausweichbuchten bei Gegenverkehr, was aber bei entgegenkommenden Reisebussen nicht immer einfach ist.

Oben angekommen gibt es natürlich wieder ein schönes Visitorcenter. Auf einem tollen Weg gelangt man zu diversen Aussichtspunkten, einfach beeindruckend.


Im Souveniershop des Visitorcenter gibt es wie überall in Norwegen Trolle in allen Varianten zu kaufen.

Vom Visitorcenter geht es noch ein Stück weiter bergauf in eine schöne alpine Landschaft, bevor es den ganzen Weg wieder hinunter geht.

Zum Geiranger Fjord waren es nur noch knapp 50 km. Auf halber Strecke gab es für uns noch eine kurze Fahrt mit der Fähre, dann kam der erste Aussichtspunkt.

Kein Fjord wird so vermarktet wie der Geiranger. In der Saison laufen fast täglich 2-3 Kreuzfahrtschiffe ein und die Passagiere überschwemmen den winzigen Ort (unter 300 Einwohner), bringen aber viel Geld. Für Camper gibt es mehrere Campingplätze, einer liegt direkt am Ende des Fjords mit schönem Blick, vor allem, wenn große Schiffe zu sehen sind.

Wir hatte mitbekommen, das es in Deutschland am 02.07.15 sehr heiß war, auch wir hatten 27 Grad und somit sind wir 2 Tage geblieben. An diesem Tag liefen 3 Schiffe ein, u.a. die AIDASol und Mein Schiff 4. Viele Passagiere sind auch über den Campingplatz gebummelt und so gab es interessante Gespräche.

In dem Ort gibt es nicht wirklich viel zu unternehmen (außer Trolle in diversen Souveniershops zu kaufen). Jedoch führt ein schöner Spaziergang an einem beeindruckenden Wasserlauf hinauf zu einer Kirche. Von dort hat man einen schönen Blick auf den Fjord.

Nun wurde es Zeit, den Weg Richtung Langesund zu finden, da wir für den 08.07.15 die Rückfahrt mit der Fähre nach Dänemark gebucht hatten.


Vom Geiranger Fjord ging es wie nicht anders zu erwarten steil hinauf und wo standen wir plötzlich, natürlich im Schnee. Bei Temperaturen von 15 Grad und klarer Luft genossen wir die weiße Pracht im Juli.

Statt der Hauptroute zu folgen, fuhren wir dann die Nebenstrasse 258. In fast absoluter Einsamkeit genossen wir die Landschaft und waren plötzlich in einem Skigebiet, was uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen kaum noch überraschte.

Wir beobachteten die Skifahrer eine Weile und machten nach nur 10 Minuten steiler Abfahrt auf der Straße unsere Mittagspause - bei über 20 Grad und schönstem Wetter.

Ein Abstecher zum Gletscher Jostedalsbreen war dann nicht so wie erhofft. Den Bildern in den Touristenprospekten nach hofften wir, auf dem Gletscher herumlaufen zu können. Diese Bilder scheinen aber schon sehr alt zu sein oder sie wurden auf einem anderen Gletscher gemacht. Der Gletscher war zwar gut zu sehen, aber er wäre nur fliegend zu erreichen gewesen. Aber die kleine Wanderung über 6 km bei schönstem Wetter war dann auch schön. Von unserem Campingplatz aus konnten wir sogar eine Tour mit dem Ruderlboot auf einem große Bergsee unternehmen.

Einen Schneemann im Juli bauen, wo kann man das schon? Wir jedenfalls hatten im Hochland die Möglichkeit dazu und so konnte Ingolf einen kleinen tragbaren Schneemann bauen.

Blick vom Paß (Zum vergrößern bitte anklicken)

Ein Urlaub in einem traumhaft schönen Land geht zu Ende und den letzten Tag verbrachten wir am Telemark-Kanal. Das Wetter wurde wechselhaft, die Regenschauer störten uns nun  aber nicht mehr.


Obwohl das Wetter in diesem Jahr auch in Norwegen Kapriolen schlug, hatten wir trothdem großes Glück und nur selten längere Regenschauer. Im nächsten Jahr kommen wir garantiert wieder - es gibt noch viel zu entdecken.