Baltikum


Wir wären gerne nach Rußland gefahren, was mit dem Wohnmobil individuell möglich ist. Jedoch ist die Vorbereitung (Papierkram) etwas umständlich und erfordert einiges an Zeit. Da wir jedoch spontan los wollen, haben wir uns für das Baltikum entschieden.

 

Damit wir nicht 2x die lange Strecke durch Polen fahren müssen, nehmen wir für die Hinfahrt die Fähre von Kiel nach Klaipeda in Litauen. Diese kleine Kreuzfahrt (21 Stunden)  haben wir bereits gebucht, Abfahrt ist am 12.06.16 um 20:00 Uhr. Der Rest ergibt sich dann vor Ort.

 

Nachfolgend die ungefähr geplante Route.

       So soll die Route aussehen (zum Vergrößern bitte anklicken)

11.06.16-18.06.16

 

So, da sind wir wieder. Endlich haben wir Internet und schlechtes Wetter, da hat man Zeit für den ersten Bericht aus dem fernen Baltikum.

 

Die erste Etappe führt uns nach Oldenburg (Holstein), wo es ein Wiedersehen mit lieben Bekannten gab. Am nächsten Tag ist es nur eine kurze Etappe bis zum Fährhafen in Kiel. Wir sind im ersten Moment etwas verwirrt, da sich überwiegend LKW´s aus dem Baltikum vor der Fähre einreihen. Touristen sind kaum zu sehen, Wohmmobile sehen wir nur 2.

Das Einschecken dauert nur Minuten und nach einer Wartezeit vor der Schranke geht es endlich auf die DFDS-Fähre. Unsere Kabine ist überraschend groß und hat sogar ein eigenes Bad mit Dusche. Das Abendessen an Bord ist gute Hausmannskost zu einem sehr günstigen Preis. Die Überfahrt nach Kleipeda in Littauen dauert 21 Stunden, die See ist fast spiegelglatt.

Der Tag an Bord vergeht dann recht schnell und pünktlich um 16:30 Uhr laufen wir in den Hafen von Kleipeda ein. Unser Kühlschrank ist leer, daher geht es erst einmal durch einen großen Supermarkt für den ersten Einkauf. Vom sehr großen Angebot sind wir überrascht. Die Preise empfinden wir als günstig, vor allem die heimischen Produkte sind um einiges günstiger als in Deutschland.

 

In Karkles finden wir unseren ersten kleinen Stellplatz, der kaum besucht ist. Was uns schon einmal auffällt, der Straßenverkehr ist recht überschaubar.

Am nächsten Tag fahren wir nach Palange an die Küste. Dieser Ort ist bei den Einheimischen sehr beliebt und so langsam beginnt hier die Hauptsaison. Natürlich bummeln wir gleich zum Strand und essen ein erstes Eis.

Dann verlassen wir die Küste und fahren in das Inland zu einer sehr besonderen Sehenswürdigkeit, dem Berg der Kreuze. Dieser fast in Mitte Lettlands gelegene Hügel symbolisiert für die Menschen hier ihren Glauben, Frömmigkeit und den Willen nach Unabhängigkeit. Nach den von den Russen niedergeschlagenen Aufständen 1831 und 1863 stellten die Menschen auf dem flachen Hügel Kreuze für die getöteten Litauer auf. Es kamen im Laufe der Zeit immer mehr Kreuze hinzu, die von den Russen immer wieder mit Bulldozer niedergewalzt wurden.


Der Wille war stärker und heute gibt es weit über 100.000 Kreuze aller Größen.

Auf schmalen Wegen geht man durch eine endlos erscheinende Zahl von Kreuze und ist schlichtweg beeindruckt. 1993 hielt der Papst hier eine Messe und spendete natürlich ein Kreuz.

 

Da es inzwischen schon spät  war, blieben wir über Nacht auf dem Parkplatz direkt am Berg der Kreuze und genossen die himmlische Abendruhe.

Das ganze Ausmaß der Kreuze auf einem Panorama

(zum Vergrößern bitte anklicken)

Am nächsten Tag überquerten wir die Grenze zu Lettland. Das nächste Ziel war das Schloss Rundales. Diese ehemalige Sommerresidenz ließ der Herzog von Kurland 1736-1740 bauen.

Von den ehemals 138 Räumen sind heute noch viele in gutem Zustand. Auch wir machten uns auf den Rundgang durch das Schloss. Uns gefiel es dort sehr, daher gibt es ein paar Bilder mehr.

Die Hauptstadt Lettlands, Riga, war nun nicht mehr weit entfernt und unser nächstes Ziel. Dort leben über 500.000 Menschen, fast 1/3 der gesamten Bevölkerung. Der Verkehr wurde dichter und der Himmerl dunkler.

 

Auf einem sehr zentralen Campingplatz fanden wir einen Stellplatz und blieben 2 Tage. Das Zentrum von Riga war nur 30 Minuten Fußweg entfernt und somit gut zu erreichen.

Riga ist eine schöne Stadt und das Zentrum ist inzwischen recht gut "aufgemotzt".  Hier legen in der Saison auch viele Kreuzfahrtschiffe an und lassen ihr Geld in der Stadt. Die Preise sind hier um einiges höher als im restlichen Lettland. Vor allem die Restaurants an den touristischen Plätzen langen kräftig zu. Für eine Pizza und ein Bier zahlt man dann schnell 15 Euro, für den Durchschnittsverdiener hier sehr viel Geld.

 

Wir hatten zu Mittag leckere Pelmeni (russische Teigtaschen mit verschiedenen Füllungen) und zahlten für 2 Personen inkl. heimischen Saft genau 6,26 Euro.

Leider sind die Wetteraussichten nicht besonders gut. Bisher war es weitgehend trocken, es soll aber in den nächsten Tagen viel Regen geben. Wir lassen uns überraschen und machen uns von Riga auf nach Kleipeda.

19.06.16 -23.06.16

Kuldiga, eine Stadt der "Superlative" in Lettland. Hier gibt es den höchsten Wasserfall Lettlands und sogar den breitesten Wasserfall Europas. Das alles relativiert sich, wenn man sieht, das die Höhe des einen nur 4,15 m beträgt. Die Breite des nächsten beträgt immerhin 249 m, die Höhe ist mit etwas über 2 m aber auch sehr überschaubar.

Wir haben auf einem Parkplatz einen schönen Platz für die Nacht gefunden und erkunden von hier die kleine Stadt, die uns sehr gefällt. Ein Kontrastprogramm nach Riga und wohl eher das echte Lettland mit für unsere Verhältnisse etwas vernachlässigten Häusern und einfachen kleinen Geschäften.

So langsam beginnt es zu Regnen und der Himmel bewölkt sich immer mehr. Unseren Rundgang konnten wir aber noch beenden, dann öffnet der Himmel sämtliche Schleusen und wir genießen das Schauspiel durch die Scheibe. Hier noch die letzten Schnappschüsse aus Kuldiga.

Auch am nächsten Morgen regnet und stürmt es heftig. Irgendwann fahren wir dann die 60 km an die Küste nach Ventspils. Hier checken wir auf einem sehr schönen Campingplatz im Grünen ein und verbringen den Tag mehr oder weniger im Wohnmobil, da das Wetter sich nicht wirklich bessert. Erst gegen Abend regnet es nicht mehr und wir machen einen ersten Spaziergang zum Strand, der nur wenige Minuten entfernt liegt.

Am nächsten Morgen scheint endlich wieder die Sonne und der Tag wird wunderschön. Mit dem öffentlichen Bus fahren wir in das nahegelegene Stadtzentrum und beginnen unseren Rundgang. Der Ort ist nett anzuschauen und hat als Attraktion viele bunte Kühe zu bieten.

Zu Mittag gibt es in einem urigen kleinen Restaurant leckere Kartoffelpuffer mit für uns ungewohnte Beilagen. Gisela bestellt sie mit Knoblauchsauce und Shrimps, Ingolf mit Tomaten und Käsesauce. Hört sich merkwürdig an, schmeckt aber sehr gut und ist wieder einmal erschreckend günstig.

Am wunderschönen Strand müssen wir ca. 1,2 km zu unserem Campingplatz zurück gehen. Nicht weit, aber uns bläst ein heftiger Wind entgegen. Wir sehen einen wagemutigen (lebensmüden ?) Schwimmer, der bei 10 Grad Wassertemperatur ein Bad nimmt. Zuerst traut er sich nicht, aber bei der wachsenden Anzahl von Zuschauern möchte er sich auch keine Blöße geben.

 

Wir verlassen die schöne Stadt und machen uns auf Richtung Norden zum Cape Kolka. Nicht weit von Ventspils entfernt machen wir noch einen kurzen Abstecher zu einem großen Radioteleskop (31 m). Früher eine streng gesicherte Spionageanlage der Russen, heute genutzt zu für Forschungszwecke.

Die Straße Richtung Cape Kolka ist wie leergefegt, es kommen uns kaum Fahrzeuge entgegen. Unterwegs bieten sich kurze Abstecher an die Küste an, auch hier sind die Strände fast menschenleer.

Bei den leeren Straßen sind wir schnell am Cape Kolka. Mitten im Wald finden wir einen schönen Parkplatz, von dem man am Strand entlang zum Cape laufen kann. Das Wetter ist weiterhin super und wir bummeln den Strand entlang. Am Cape Kolka treffen die Ostsee und die Bucht von Riga aufeinander, bei fast glatter See ein wenig spektakulärer Anblick.

Auf der Rückfahrt entlang der Küste zurück Richtung Riga gibt es wenig zu entdecken. Allerdings wird der Himmel zunehmen dunkel und kurz von Riga wird er fast schwarz. Wir wollten Riga eigentlich umfahren, bleiben aber spontan für eine Nacht auf dem uns schon bekannten Campingplatz in Riga.

 

Kaum angekommen schüttet es die nächsten 3 Stunden wie aus Eimern. Nach kurzer Zeit gleicht der Platz einem See und wir beobachten ganz angetan 2 holländische Rentner, wir sie in diesem Unwetter in aller Ruhe ihr Vorzelt aufbauen, die Stühle und Tische herausstellen und alles für den Aufenthalt herrichten. Der Regen scheint sie überhaupt nicht zu stören.

 

Wir fahren am nächsten Tag weiter Richtung Sigulda.

24.06.16-27.06.16

 

Die berühmteste Burg Lettlands steht in Sigulda und heißt Burg Turaida. Sie wurde bereits 1214 errichtet und inzwischen oft zerstört und neu aufgebaut. Die letzten Restaurierungsarbeiten dauerten viele Jahre. Von dem Turm mit seinen 3,70 m dicken Mauern hat man einen schönen Blick.

Die Burg liegt in einem weitläufigen Park und bietet neben viel Grün diverse Kunstobjekte.

Unsere nächste Etappe ist recht kurz und erneut steht eine Burg auf dem Besichtigungsprogramm. Die sog. Kreuzritterburg steht in Cesis und wurde vom Schwertritterorden errichtet.

Das Museum für Geschichte und Kunst befindet sich ebenfalls auf dem Gelände und enthält verschiedene Fundstücke aus Cesis.

Cesis selber ist erneut eine schöne kleine Stadt, in der man durch die Gassen bummeln kann und sich in eine andere Zeit zurückversetzt fühlt. Die Sonne meinte es auch heute wieder gut und es war fast schon zu warm zum umherlaufen.

Übernachtet haben wir etwas außerhalb auf einem traumhaft schönen Campingplatz am Fluß Gauja. Dort gab es Natur pur, leider auch viele Mücken und Bremsen.

Dann ging es weiter Richtung Norden und wir erreichten Estland, das nördlichste und kleinste Land des Baltikums. Was uns dort sofort auffiel, die Straßen sind in einem erheblich besseren Zustand als in Litauen bzw. Lettland.

Von den ganzen Feierlichkeiten zur Mittsommerwende bekamen wir bisher nicht viel mit. Scheinbar wird hier überwiegend in den größeren Orten bis tief in die Nacht gefeiert. So brauchten wir uns um den  Schlaf nicht zu sorgen.

Pärnu war unser nächstes Ziel und wir wollten auf dem zentralen Campingplatz unterkommen. Das dachten auch viele viele Finnen (die scheinbar besonders das günstige Bier anzieht) und der Platz war restlos ausgebucht. Da der Ort gleichzeitig beliebtester Inlandsferienort der Esten ist, war in den Straßen viel los.

Unseren Plan, die Insel Saaremaa zu besuchen, ließen wir spontan fallen. Der Andrang auf die Fähre war sehr groß (langes Wochenende, Ferienbeginn, Superwetter, Feiertag) und so suchten wir uns irgendwo an der Küste einen einsamen Platz am Strand, wo wir die Nacht verbrachten.

Am nächsten Morgen ging es nach Haapsalu, wo wir erneut kostenlos direkt am Strand übernachten konnten. Wir nahmen sogar ein Bad im Meer, bei knapp 30 Grad Hitze eine erfrischende Abkühlung.

Haapsalu gefiel uns sehr und wir bummelten viel durch die Gassen. Die Holzhäuser sind auch hier reichlich zu finden, leider verfallen sie sehr oft. Es scheint ein großes Problem im Baltikum zu sein, das die meisten Investitionen in die großen Vorzeigestädte gehen (Riga, Tallinn) und insbesonders die kleinen Dörfer immer mehr verfallen.

Prunkstück in Haapsalu ist die Promenade mit dem schönen Kurhaus und Kunst im Wasser.

Wir besuchten noch den alten Bahnhof, der heute nicht mehr von Zügen angefahren wird. Interessant ist der 216 m lange überdachte Bahnsteig und die riesigen russischen Dampfloks.

Tallinn war die nächste Station und mit jedem Kilometer, den wir uns der Hauptstadt Estland näherten, verdunkelte sich der Himmel mehr. Einen Stellplatz fanden wir in dem Vorort Pirita direkt am Yachthafen. Hier wurden während der Olympiade 1980 in Moskau die Segelwettbewerbe ausgetragen und man kann noch einige Relikte davon finden.

Am Nachmittag war dann erneut Weltuntergang angesagt, der aber bereits nach 1 Stunde beendet war. Wir konnten in letzter Sekunde vor den Wassermassen flüchten und den Schauer abwarten. Nicht weit von unserem Stellplatz entfernt befindet sich das Brigittenkloster, 1407 gegründet und 1577 von Iwan dem Schrecklichen zerstört.

Das Maarjamäe Memorial nur 1 km entfernt erinnert an die Opfer des 2. Weltkrieg.

Morgen soll es in Tallinn sonnig werden, lassen wir uns überraschen.

28.06.16-03.07.16

 

Der einfachste Weg von unserem Stellplatz in die Altstadt von Tallinn war der Bus. Zwei mal waren wir im Zentrum. Am ersten Tag wurden wir von heftigen kurzen Regenschauern überrascht, dafür waren die Straßen angenehm leer. Am nächsten Tag war der Himmel strahlend blau, dafür tummelten sich plötzlich abertausende von Touristen in den engen Gassen. Wo die alle herkamen (vor allem die Japaner), war uns ein Rätsel.

Was uns als nächstes Auffiel, Tallinn ist im Vergleich zum restlichen Baltikum sehr teuer. Ob es an den vielen Kreuzfahrtschiffen liegt, die hier täglich Menschenmassen "abliefern"? In jedem Fall werden die Touristen kräftig zur Kasse gebeten.

Die Altstadt ist recht groß und natürlich sehr schön. Einen ersten Überblick bekommt man von der Olaikirche. Dazu muß man zuerst 60 m Höhe in einem sehr engen Treppenhaus überwinden. Beim Bau dachte man sicher nicht an die Unmengen von Touristen, die jeden Tag die Aussicht geniessen wollen und so war die enge Treppe ziemlich voll. 

Durch die zum Teil engen Gassen zu bummeln macht Spaß. Die Häuser sind noch in einem sehr guten Zustand bzw. inzwischen wieder komplett renoviert.  Wieder einmal ein Beispiel, wohin die Gelder hauptsächlich fließen.

Die sogenannte Oberstadt erreichten wir über Treppen. Hier waren besonders viele Reisegruppen unterwegs und so waren auch die Preise für Souveniers bzw. in den Restaurants besonders hoch. Hier noch ein paar Schnappschüsse aus Tallinn.

Es reichte uns in Tallinn und wir fuhren Richtung Osten. Unterwegs machten wir einen längeren Halt in Altja, einem winzigen ehemaligen Fischerort. Auf einer kleinen Wanderung beeindruckte uns erneut die unglaubliche Natur, die es im Baltikum noch gibt.

Nach Narva war es dann nicht mehr weit. Ohne Visum geht es hier definitiv nicht weiter, der Grenzübergang gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Gerne wären wir in das nur noch 140 km entfernte St. Petersburg gefahren, vielleicht machen wir den Trip nach Rußland im nächsten Jahr. So blieb nur der Blick auf die Hermannsfestung auf estnischer Seite bzw. die Burg Ivangorod auf russischer Seite.


Ansonsten gibt es in Narva wirklich nichts zu sehen. Die Stadt ist ziemlich trostlos, obwohl es mit fast 70.000 Einwohnern (90 % nennen Russisch ihre Muttersprache) die drittgrößte Stadt Estlands ist.

Narva war der nordöstlichste Punkt unserer Baltikumreise, lt. Navi sind es 2.150 km bis nach Bremerhaven. Diese Richtung schlugen wir nun ein, natürlich mit diversen Abstechern. Der erste führte uns in das Nonnenkloster von Pühtitsa, in dem heute noch rund 150 russischsprachige Nonnen leben. Die Anlage ist sehr groß und extrem gepflegt, überall wird geputzt und der Garten gepflegt

Im Klostercafe (als solches schwer zu erkennen) gönnten wir uns Seljanka (russischer Eintopf). Dieser war nicht nur billig, sondern auch sehr lecker. Auch die interessante russische Speisekarte hatte unsere Aufmerksamkeit.

Bisher verging kein Tag ohne Storchsichtung. Alleine in Lettland sollen 10.000 Weißstörche nisten. Gefühlt steht in jedem Vorgarten ein dicker Mast mit einem Nest. Die Jungen (oft 2 pro Nest) sind bereits da und überall sieht man die Störche auf der Suche nach Nahrung. Sobald irgendwo ein Feld gemäht wird, sind sie in besonders großer Zahl da. Dann sind 40 Störche auf einem Blick keine Seltenheit.

Vorbei ging es an den Peipus-See, mit 3550 qkm einem der größten Europas (die Grenze zu Rußland verläuft in der Mitte). Auch hier war auf den Straßen kaum etwas los und wir teilten uns einen wunderschönen Campingplatz nur mit den unzähligen Mücken bzw. Bremsen.

Auf dem Weg Richtung Süden machten wir noch einen Abstecher zu der Wallfahrtskirche von Aglona. Zu Maria Himmelfahrt wimmelt es hier von Pilgern, wir hatten die Kirche jetzt für uns alleine. Interessant war das alte Grabgewölbe unter der Kirche, in dem es noch einmal einen großen Gebetsraum gibt.

Daugavpils war mit 100.000 Einwohnern wieder eine große Stadt. Nur 17 % von ihnen sind Letten, der Rest Russen, Polen oder Ukrainer. Bei 30 Grad bummelten wir Richtung Kirchenviertel, wo uns von den 4 Kirchen nur die Boris-und-Gleb-Kathedrale interessierte. Sie ist die größte russisch-orthodoxe Kirche Lettlands.

Die Zarenfestung aus dem 19. Jh. besuchten wir frisch gestärkt nach einem leckeren Mittagessen. Inzwischen lag die Temperatur bei 31 Grad und wir kamen mächtig ins Schwitzen. Der Rundgang durch die riesige Anlage war interessant, obwohl vieles schon verfallen ist. Angeblich soll das berühmte Bernsteinzimmer in der Festung versteckt sein, wir haben es nicht gefunden.

Bei Moletai fanden wir dann den wohl schönsten Campingplatz auf der bisherigen Reise. An der Rezeption stand bereits ein Schild:

 

Futbolas Vokietija (Deutschland) - Italija  22:00 Uhr (1 Std. Zeitverschiebung).

 

So erholten wir uns noch etwas und pünklich begann das Spiel auf einer großen Leinwand, dazu gab es natürlich ein kaltes Bier.

 

Naja, es war nicht das schönste Fußballspiel, aber das Bier war wirklich lecker. Zur Strafe für das schlechte Spiel regnete es wieder einmal heftig und die Temperatur sank auf angenehme 23 Grad. Erholung war angesagt.

04.07.16-09..07.16

 

Am Montag leerte sich der schöne Campingplatz in Moletai zusehends und gegen Mittag standen wir nur noch mit einem holländischen Camper dort. Spontan blieben wir noch einen Tag länger und genossen die Ruhe.

Bis nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens, war es nicht mehr weit. Das Wetter war erneut sehr unbeständig, die Regenschauer jedoch immer nur kurz, aber heftig. Der zentrale City Camping Platz lag ruhig im Grünen und nach einer kurzen Pause ging es mit dem Bus in die Stadt.

 

In Vilnius gibt es unzählige Kirchen bzw. Kathedralen. Die Cathedral Basilica machte den Anfang.

Die großen Städte wie Riga, Tallinn und Vilnius ähneln sich doch sehr. Auch hier gibt es
in der Altstadt viele Läden, die immer wieder ähnliche Souveniers verkaufen. Trotzdem gefiel uns die Stadt recht gut.

Die beiden Kirchen St. Anne und Bernadine stehen direkt nebeneinander und gehören zum Pflichtprogramm.

Die Kirche des Hl. Casimir stand am Ende unseres Rundgang und anschließend ging es mit dem Bus zurück zum Campingplatz, der inzwischen recht gut mit überwiegend deutschen Wohnmobilen besetzt war.

Unsere letzte Station in Litauen war die Inselburg Trakei, die geschichtlich für das Land eine wichtige Rolle spielt. Gebaut am Ende des 14.Jh. wurde sich mehrfach zerstört und immer wieder neu aufgebaut. Die Lage im Galve-See ist sehr schön und der Besucherandrang dementsprechend.

Den Berg der Kreuze hatten wir bereits zu Beginn der Reise, nun war der Hügel der Engel an der Reihe. Dieser liegt nur 5 km außerhalb von Trakei und die 36 Skulpturen aus Eichenholz gelten als Symbol für die christlichen Werte. Auch hier mußte man immer den richtigen Moment für eine Besichtigung abwarten, da es immer wieder heftig regnete.

Damit ging die Rundreise durch das Baltikum dem Ende entgegen und wir verbrachten die letzte Nacht einsam nicht weit von der Grenze zu Polen. Das Baltikum war nicht spektakulär, hat uns aber trotzdem gefallen. Nicht nur die großen Städte sind sehenswert, vor allem die kleinen ursprünglichen Orte haben ihren Reiz. Natürlich ist die unberührte Natur zu erwähnen, die hoffentlich so erhalten bleibt. Und wer einmal täglich Störche sehen möchte, ist hier ebenfalls gut aufgehoben.

 

Hier noch die letzten Schnappschüsse aus dem Baltikum.

So ging es über die Grenze nach Polen. Die Störche blieben uns erhalten, nur leider nahm der LKW- bzw. PKW Verkehr stark zu. Durch das Gebiet der Masuren ging es an vielen Seen vorbei und in Gizycko verbrachten wir die erste Nacht direkt im Yachthafen, wo es einen schönen Platz  für Wohnmobile gibt. Die Masuren gelten als Paradies für Wassersportler, dementsprechend gibt es viele Seen, die über Kanäle miteinander verbunden sind.

Hauptsehenswürdigkeit in Gizycko ist die Feste Boyen. Diese wurde zwischen 1847 und 1855 gebaut und hat beeindruckende Ausmaße.

Holzkirchen hatten wir in Polen nicht erwartet. Die Tür war verschlossen, Gisela fand jedoch den Lieferanteneingang und so hatten wir die Kirche ganz für uns alleine.

In der Masurischen Seenplatte befindet sich der sog. Mauerwald. Hier hatte das Oberkommando des Herres zwischen 1941 und 1944 sein Hauptquartier. Die Bunker sind noch sehr gut erhalten und im Wald nur schwer zu entdecken. In einem der Bunker fand auch das mißlungene Attentat auf Hitler statt.

 

Das Führerhauptquartier Wolfschanze lag nur 20 km entfernt. Dieses wurde kurz vor Ende des 2. Weltkrieg jedoch komplett zerstört.

In Swieta Lipka steht eine der schönsten Kirchen (gen. Basilika), die wir bisher gesehen haben.  Sie ruht auf 10.000 Holzpfeiler und liegt in einem sehr kleinen Dorf. Ist der Anblick von außen schon beeindruckend, so kommt man im inneren der Basilika aus dem Staunen nicht mehr heraus. Daher gibt es von diesem Kunstwerk ein paar Bilder mehr.

Einen schönen Stellplatz fanden wir in Pieniezno, wo uns der Besitzer zum Halbfinale sogar in seine gute Stube eingeladen hat. Naja, man kann nicht immer gewinnen.

 

In Orneta machten wir eine längere Pause. Diese kleine Stadt steht in keinem Reiseführer und so konnten wir einmal eine echte kleine polnische Stadt erleben.

Krynica Morska ist ein kleiner Ort mit nur 1300 Einwohnern und liegt auf der Frischen Nehrung (diese liegt westlich von der Kurischen Nehrung). Wir erwarteten schöne Sandstrände und Natur pur. Die Realität war erschreckend, denn in der Ferienzeit ist diese Gegend ein polnisches Disneyland. Wir schauten uns den Trubel 2 Stunden an und fuhren zurück in das Landesinnere, wo wir einen ruhigen Platz für die Nacht fanden.

Das Wetter ist auch in Polen weiter sehr unbeständig, der Regen jedoch zu unserem Glück weniger geworden. So geht es langsam weiter Richtung Heimat.

10.07.16-15.07.16

In Stutthof fanden wir einen ruhigen Platz für die Nacht. Direkt am Stellplatz hatten wir freien Blick auf eine Storchenfamilie.

 

Nur 1 km entfernt kann das KZ Stutthof besichtigt werden. Insgesamt 110.000 Menschen waren in dem Lager inhaftiert, 65.000 kamen ums Leben. In der Ausstellung wird eindrucksvoll die Willkür geschildert, die vielen Menschen einen grausamen Tod brachte.

Von Stutthof ging es weiter Richtung Westen. Die letzte Sehenswürdigkeit in Polen war

die Marienburg bei Malbork. Die Burg war  von 1309 bis 1454  Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens. Die weiträumige Burganlage ist der größte Backsteinbau Europas und kann das ganze Jahr über an schneefreien Tagen besichtigt werden.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Marienburg schwer beschädigt, jedoch bis auf die Kirche wieder aufgebaut. Die Ausmaße sind beeindruckend und wir waren irgendwann ziemlich kaputt von der Besichtigung. Wahrscheinlich haben wir viele Räume gar nicht gesehen/gefunden, zu verwirrend sind die z.T. engen Flure und Treppen.

Am Abend finden verschiedene Aufführungen in der Burg statt. Wir gönnten uns nur einen Blick auf die schön erleuchtete Marienburg.

Die fast 400 km bis zur Grenze zogen sich endlos hin. Auf einspuriger Straße ging es von Dorf zu Dorf und irgendwann muß man in Polen riesige Mengen von Tempo 40-Schildern gekauft haben. Die meisten davon haben wir gesehen und man sollte sich daran halten, denn es gibt ebenso viele Radarkameras.

 

Hier noch die letzten Polenbilder aus der Rubrik "Sonstige"

Deutschland war erreicht und auf Usedom erholten wir uns noch etwas. Die Insel gefiel uns sehr, war aber jetzt in der Saison ziemlich voll. Auf dem schönen Stellplatz mitten im Wald war ab 15:00 Uhr kein Platz mehr frei. Vor hier konnte man die 3 km zum Seebad Bansin schön am Strand zurücklegen.

Direkt an der Grenze zu Polen (nur 5 km entfernt) gibt es scheinbar in jedem Jahr das Sandskulpturenfestival zu bestaunen. Auch wir machten uns auf, die fantastischen Skulpturen zu bewundern. Wer einmal in Usedom unterwegs ist, sollte sich die Ausstellung unbedingt anschauen. Das Motto in diesem Jahr "Rund um die Welt"

Die letzte Nacht verbrachten wir auf einem Stellpatz mitten in Hamburg, bevor es auf die letzte Etappe nach Bremerhaven ging. Dort sind wir heute wohlbehalten nach knapp 5.000 km angekommen.